Was sind multiresistente Erreger (MRE)?

Multiresistente Erreger (MRE) sind Bakterien, die unempfindlich sind gegenüber der Wirkweise der meisten Antibiotika. Diese Unempfindlichkeit ist eine biologische Eigenschaft, die im Erbgut vieler Bakterienstämme festgelegt ist und bei ihrer Vermehrung weitergegeben wird. Der in der Regel medizinisch begründete Einsatz von Antibiotika hat über Jahrzehnte hinweg zu einer Selektion (Überlebensvorteil) von Bakterienstämmen geführt, die gegen eine zunehmend größere Zahl von Wirkstoffen resistent sind und die empfindlicheren Bakterienstämme allmählich verdrängen.

Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau ist das Ziel aller Akteure im Gesundheitswesen. Dieser Qualitätsanspruch setzt voraus, dass neue Herausforderungen und Gefahren in der Patientenversorgung frühzeitig erkannt und konsequent bekämpft werden.

Unter den Gefahren durch Infektionserreger kommt in Europa nach einer aktuellen Analyse den im Krankenhaus erworbenen (sogenannten nosokomialen) Infektionen die größte Bedeutung zu, noch vor Infektionskrankheiten wie Influenza oder Tuberkulose. Jährlich erwerben ca. 3 Millionen Menschen in Europa eine Krankenhausinfektion, von denen Schätzungen zufolge etwa 50.000 versterben. Hierbei zeichnet sich eine zunehmende Gefährdung durch immer resistentere Erreger ab. Inzwischen stellen MRE ein großes Problem bei der Behandlung von Infektionen dar. Zu den wichtigsten MRE gehören Methicillinresistente Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA), Vancomycinresistente Enterokokken (VRE) und Extented Spectrum Beta Lactamase (ESBL) bildende Enterobakterien und weitere sogenannte Gram-negative Bakterien.

Um der weiteren Zunahme von Antibiotikaresistenzen entgegenzusteuern müssen eine kluge Antibiotikaanwendung geschult, angemessene Hygienemaßnahmen umgesetzt und MRE-Träger erkannt und nach Möglichkeit von dem MRE befreit werden. Da das MRE-Problem aber nicht nur Krankenhäuser, sondern in zunehmendem Maße auch andere Einrichtungen des Gesundheitswesens betrifft, muss hierzu eine gute Abstimmung erfolgen. Die Bildung regionaler Netzwerke ist dabei ein entscheidender Schritt im Kampf gegen multiresistente Erreger.