FAQ

Wir bedanken uns recht herzlich beim mrsa-net / Eursafety Health-net für das zur Verfügungstellen der häufig gestellten Fragen über MRSA. 

Alle Texte wurden von Experten (Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin) im Rahmen des Projektes EUREGIO MRSA-net Twente/Münsterland erarbeitet.

Link zu Fragen für die Öffentlichkeit
http://www.mrsa-net.nl/de/oeffentlichkeit

Link zu Fragen für das Personal
http://www.mrsa-net.nl/de/personal

 

weitere häufig gestellte Fragen (FAQ)

Die im nachfolgendem Unterverzeichnis aufgeführten FAQ (Frequently Asked Questions = häufig gestellte Fragen) und ihre Antworten wurden im Rahmen des EUREGIO MRSA-net Twente/Münsterland von Experten (Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin) in Hinblick auf deren spezifische Situation erarbeitet, sind aber von allgemeinem Interesse (mit freundlicher Genehmigung von Herrn Prof.  Dr. A. Friedrich). Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier nicht um Mitteilungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention handelt. Dem MRSA-net Helpdesk [Telefon (02 51) 83-52317] werden täglich Fragen zu MRSA gestellt. Für dieses Netzwerk erfolgte eine geringfügige Anpassung des Fragenkataloges sowie einzelner Fragen, die Fragen und Antworten im Original (des EUREGIO MRSA-net Twente/Münsterland) und weitere FAQ finden Sie in der „MRSA Fragen und Antwort Datenbank“ [http://www.mrsa-net.org/faqdatenbank/datenbankDE.html]

FAQ

1.   Was bedeutet MRSA?

2.   Was ist der Unterschied zwischen Infektion und Besiedlung (Kolonisation)?

3.   Wie bekommt man MRSA und wie häufig gibt es in Deutschland MRSA?

4.   Gibt es Risikofaktoren, um Träger von MRSA zu werden?

5.   Warum muss bei Vorliegen von Risikofaktoren vor oder bei Aufnahme eine Untersuchung auf
      das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchgeführt werden (Screeninguntersuchung)?

6.   Wie wird eine Untersuchung auf MRSA durchgeführt?

7.   Sind die neuen molekularen Schnelltests besser als die klassischen Kulturnachweise?

8.   Was kostet eine Untersuchung auf MRSA?

9.   Ein mikrobiologisches Screening kostet Geld, sind diese Kosten effektiv?

10. Welche Maßnahmen müssen bei einem Patienten mit (dem Verdacht auf) MRSA durchgeführt
      werden?

11. Wie lässt sich MRSA nachweisen?

12. Kann sich MRSA ausbreiten?

13. Was bedeutet „MRSA-Kontaktpatient“?

14. Wie wird MRSA übertragen und wie kann das vermieden werden?

15. Kann man MRSA behandeln?

16. Was bedeutet Sanierung?

17. Liegen Risikofaktoren für die Trägerschaft von MRSA vor? Wie lange kann sich MRSA auf der
      (Schleim-)Haut des Menschen halten?

18. Wie lange muss ein MRSA-Träger im Krankenhaus in einem Einzelzimmer mit zusätzlichen
      Hygienemaßnahmen gepflegt werden?

19. Müssen bei Entlassung eines MRSA-Patienten besondere Schutzmaßnahmen beachtet werden?

20. Ist es gefährlich in demselben Raum mit einem MRSA-Patienten zu sein?

21. Warum müssen MRSA-Patienten nur im Krankenhaus im Einzelzimmer isoliert werden, nach
      ihrer Entlassung jedoch weder zu Hause, noch im Altenheim oder in der Arztpraxis?

22. Kann mein Kind MRSA bekommen, wenn es sich in der Nähe eines MRSA-Trägers befindet?

23. Ich habe MRSA und werde bald entlassen. Was muss ich tun, um meine Familie vor MRSA zu
      schützen?

24. Warum werden in deutschen Krankenhäusern mehr als die Hälfte der MRSA bei Aufnahme der
      Patienten nachgewiesen?

25. Welche sind die Hauptstrategien gegen die Ausbreitung von MRSA in der EUREGIO Twente/
      Münsterland?

26. Was ist mit MRSA-Kreislauf gemeint?

27. Warum muss man bei der Sanierung von MRSA-Patienten einen langen Atem haben?

28. Was bedeutet „community acquired“-MRSA (CA-MRSA)?

29. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden? Gilt
      dies auch für Patienten mit unterschiedlichen MRSA-Genotypen?

30. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden,
      wenn einer von Ihnen bereits (an)saniert wird?

31. Wie sieht die Sanierung eines MRSA-Trägers aus?

32. Welche Bedeutung hat das Eingangsscreening von MRSA-Risikopatienten für das Personal?

33. Wann muss Personal auf MRSA hin untersucht werden?

34. Warum kommt es zur Wiederbesiedlung von sanierten Patienten?

35. Warum sind MRSA in den Niederlanden so viel seltener als in Deutschland?

36. Was unterscheidet die niederländische „search and destroy“ Strategie von den deutschen MRSA-
      Richtlinien?

37. Was passiert, wenn ein deutscher Patient in einem niederländischen Krankenhaus behandelt
      werden soll, bzw. in ein niederländisches Krankenhaus verlegt werden soll?

 

1. Was bedeutet MRSA?

Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, das natürlicherweise auf der Schleimhaut des Nasenvorhofs und seltener auch auf der Haut von jedem dritten, z. T. jedem zweiten Menschen lebt. Normalerweise verursachen diese Bakterien keine Infektionen. Bei Verletzung der Haut oder auch durch medizinische Maßnahmen wie z.B. eine Operation kann S. aureus Wundinfektionen verursachen. Solche Infektionen können relativ harmlos ablaufen (Abszess, Eiterbildung etc.), bei geschwächtem Immunsystem kann es aber auch zu schweren Infektionen wie einer Blutvergiftung und Lungenentzündung kommen. Im Falle einer Infektion helfen Antibiotika die Bakterien zu eliminieren. Manche Staphylococcus aureus-Stämme sind unempfindlich (resistent) gegenüber dem Antibiotikum „Methicillin“ und einer Reihe anderer Antibiotika geworden. MRSA ist die Abkürzung für diesen Methicillinresistenten Staphylococcus aureus.

2. Was ist der Unterschied zwischen Infektion und Besiedlung (Kolonisation)?

Besiedlung (Kolonisation) bedeutet, dass MRSA auf der (Schleim-)Haut des Menschen siedelt und sich vermehrt, ohne dass eine Erkrankung verursacht wird. Solche Patienten nennt man auch MRSA-Träger. Infektion bedeutet, dass MRSA über die (Schleim-)Haut eindringt und den betroffenen Menschen zusätzlich krank macht. In beiden Fällen müssen dieselben Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Der Unterschied besteht darin, dass Patienten mit Besiedlung vorbeugend saniert werden können, d.h. durch Waschungen und Nasensalbe wird versucht, den MRSA von der Haut zu bekommen, bevor er eine Infektion auslösen kann. Patienten mit einer Infektion bekommen zusätzlich eine Antibiotikatherapie in Tablettenform oder als Infusion. Patienten, die lediglich besiedelt sind, erhalten in der Regel keine Antibiotikatherapie.

3. Wie bekommt man MRSA und wie häufig gibt es in Deutschland MRSA?

MRSA ist ein Hautkeim und er kann jeden Tag von anderen Menschen auf die Haut übertragen werden. MRSA kann sich jedoch auf der (Schleim-)Haut und im Körper eines gesunden Menschen nicht ohne Weiteres einnisten und ausbreiten, da die gesunde Haut- und Schleimhaut(flora) des Menschen einen Schutz gegen MRSA darstellt (Kolonisationsresistenz).

Hat man jedoch bestimmte Risikofaktoren, wie z.B. häufigen Kontakt zu MRSA-Patienten, häufige und lange Antibiotikaeinnahme, Wunden, Punktionen, Operationen etc., kann MRSA sich dauerhaft auf der (Schleim-)Haut festsetzen und auch Infektionen verursachen. Die genannten Risikofaktoren finden sich regelmäßig bei Patienten in Krankenhäusern. Kommt es zu einer Infektion, dann passiert dies am häufigsten mit den Bakterien, die bereits auf der Haut des Menschen siedeln. Je häufiger MRSA auf der Haut vorkommt, desto häufiger wird MRSA Ursache für eine Infektion sein. Im Durchschnitt ist in deutschen Krankenhäusern MRSA für jede vierte Staphylococcus aureus-Infektion verantwortlich.

4. Gibt es Risikofaktoren, um Träger von MRSA zu werden?

Ja. MRSA kann sich dann besonders einfach auf der Haut und der Schleimhaut eines Menschen einnisten, wenn besondere Faktoren, so genannte Risikofaktoren für eine MRSA-Besiedlung vorliegen.

Diese Faktoren sind vor allem:

Bei Vorliegen eines oder mehrerer Faktoren ist in jedem Fall vor oder bei Krankenhausaufnahme eine Untersuchung auf das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchzuführen.

5. Warum muss bei Vorliegen von Risikofaktoren vor oder bei Aufnahme eine Untersuchung auf das Vorliegen einer MRSA-Trägerschaft durchgeführt werden (Screeninguntersuchung)?

Nicht alle Menschen tragen MRSA auf ihrer (Schleim-)Haut und nicht alle, bei denen MRSA auf der (Schleim-)Haut vorkommt, können MRSA auf andere übertragen. Das Wissen über die MRSA-Trägerschaft ist zunächst für den einzelnen Patienten selbst wichtig, der vor einer medizinischen Behandlung steht. Infektionen nach medizinischen Maßnahmen, wie z.B. Beatmung, Operation oder Immunsuppression sind häufig nicht zu vermeiden und erfolgen am häufigsten durch die Bakterien, die bereits auf dem Menschen selbst leben. Lebt auf dem Menschen bei Krankenhausaufnahme bereits MRSA, so ist eine spätere Infektion mit MRSA eine wahrscheinliche Ursache. Entscheidend für den Erfolg einer Therapie ist die frühzeitige und die wirksame Antibiotikatherapie. Von der korrekten Wahl eines wirksamen Antibiotikums hängt also der Heilungserfolg ab. Der behandelnde Arzt muss aufgrund von Erfahrungswerten bei Auftreten einer Infektion Antibiotika einsetzen (sogenannte kalkulierte Antibiotikatherapie). Keines der in solchen Situationen üblicherweise angewandten Antibiotika hat eine adäquate Wirkung gegenüber MRSA. Wertvolle Zeit geht verloren.

Ein Abstrich bei Aufnahme hat daher dreifache Bedeutung:

1.    Schutz des betroffenen MRSA-Trägers: Ist die Trägerschaft bekannt, kann vor einer Maßnahme (z.B. Operation) noch eine Sanierung versucht werden. Durch Sanierung können signifikant Infektionen verhindert werden, wie eine Untersuchung bei Staphylococcus aureus ergeben hat (Perl TM et al 2002. N Engl J Med).

2.    Ein Abstrich ist ein Blick in die Zukunft: Weiß der Arzt, dass sein Patient MRSA-Träger ist, wird er diesen Erreger bei Auftreten einer Infektion in seine kalkulierte Antibiotikatherapie miteinbeziehen.

3.    Schutz anderer Patienten: MRSA-Träger werden im Krankenhaus besonders behandelt. Sie liegen meist in einem Einzelzimmer und durch Handschuhe und Schutzkittel wird die Übertragung von MRSA über Personal auf andere Mitpatienten verhindert. Das Personal trägt einen Mundschutz/Haarschutz um sich – bei Vorliegen von unbekannten Risikofaktoren – nicht selbst auf Dauer mit MRSA zu besiedeln und dann in den kommenden Wochen und Monaten MRSA auf die künftigen Patienten zu streuen.

 

6. Wie wird eine Untersuchung auf MRSA durchgeführt?

Um die Trägerschaft festzustellen, muss eine mikrobiologische Untersuchung in einem Labor erfolgen. Hierfür wird ein Abstrich mit einem Watte- oder Polyurethantupfer von der (Schleim-)Haut (Nasenvorhof, Rachen, ggf. Wunden, Achseln, Leiste) durchgeführt. Ein Labor bestimmt das Vorhandensein von MRSA durch einen Kulturnachweis. Wird kein MRSA nachgewiesen, gilt der Untersuchte als MRSA-negativ. Muss das Ergebnis rasch vorliegen (anstehende Operation etc.), kann ein Schnelltest (molekulare Methode) durchgeführt werden.

7. Sind die neuen molekularen Schnelltests besser als die klassischen Kulturnachweise?

Als Goldstandard zum Nachweis von MRSA gilt der mikrobiologische kulturelle Nachweis von MRSA. Moderne molekulare Methoden sind sehr vielversprechend und vor allem aufgrund ihrer Schnelligkeit und hohen Sensitivität zum Ausschluss einer MRSA-Trägerschaft geeignet. Positive Schnelltestergebnisse müssen kulturell bestätigt werden. Die Bedeutung von positiven Schnelltestnachweisen ohne Kulturnachweis, insbesondere bei Untersuchungen nach Sanierung oder unter einer Antibiotikatherapie ist bisher nicht ausreichend geklärt und Ziel mehrerer Untersuchungen.

8. Was kostet eine Untersuchung auf MRSA?

Die „gefühlten“ Kosten einer mikrobiologischen Untersuchung zum Nachweis von MRSA sind höher als die realen Kosten. Diese hängen stark von der Kalkulation des jeweiligen Labors ab, jedoch kann man von mittleren Kosten von 3 bis 15 € pro Untersuchung ausgehen. Wird ein MRSA nachgewiesen, liegen die Kosten bei ca. 35 bis 75 €. In der Folge kommt es zu weiteren Kosten durch notwendige Kontrollabstriche etc. Jede neue Übertragung von MRSA auf einen weiteren Patienten verursacht Mehrkosten von ca. 3.000 bis 6.000 €. Das Screening von Risikopatienten lohnt sich daher in jedem Fall.

Beachte: Schnelltestverfahren sind z. T. 3 bis 10 Mal teurer als kulturelle Verfahren. Über den Einsatz muss der Mehrwert der deutlich kürzeren Nachweiszeit entscheiden.

9. Ein mikrobiologisches Screening kostet Geld, sind diese Kosten effektiv?

Ja. Es gibt ausreichend Studien darüber, die zeigen, dass Screeningprogramme auf MRSA im Krankenhaus kosteneffektiv sind (Karchmer 2002 J Hosp Inf, Jernigan JA 1995. Inf Control Hosp Epidem, Wernitz et al. 2006. J Clin Microbiol., Chaix C, et al. JAMA 1999, Diller et al. 2007).

Jede MRSA-Infektion verursacht bis zu 17.000 € an Mehrkosten. Da sich MRSA klonal ausbreitet und 25% der Kolonisationen zu einer Infektion führen, bedeutet jede neue Kolonisation bis zu 4.000 € an Mehrkosten. Die durchschnittlichen Kosten für ein Screeningprogramm liegen bei 3 bis 15 € pro Patient. 260 bis 1.300 Abstrichuntersuchungen sind bei Vermeidung von einer einzigen MRSA-Übertragung bereits kosteneffektiv.

10. Welche Maßnahmen müssen bei einem Patienten mit (dem Verdacht auf) MRSA durchgeführt werden?

Dies sind die wichtigsten Maßnahmen. Weitergehende Vorsichtsmaßnahmen werden Ihnen gern von den Schwestern, Pflegern und Ärzt(inn)en erklärt.

11. Wie lässt sich MRSA nachweisen?

MRSA kann man auf der (Schleim-)Haut der Nasenvorhöfe, im Rachen, unter den Achseln, am Haaransatz, in der Leiste, im Stuhl/am Anus, in Wunden, im Blut, im Urin nachweisen. Am häufigsten werden Nasenvorhof, Rachen und Wunden untersucht. Eine solche Untersuchung erfolgt mittels Abstrichtupfer. Die durchschnittlichen Kosten einer solchen Untersuchung liegen bei ca. 3 € bis 15 € (siehe Frage 8).

12. Kann sich MRSA ausbreiten?

Ja. MRSA kann auf andere Patienten übertragen werden. Häufig verliert sich der MRSA wieder von der Haut. Nur wenn jemand eine verletzte Haut (Wunden u.a.) hat oder sehr krank ist und zusätzlich ein schwaches Immunsystem hat, kann es zu einer Infektion kommen. Die einfache Übertragung reicht in der Regel nicht aus, damit MRSA dauerhaft auf der (Schleim-)Haut des „Empfängers“ bleibt, was wiederum Voraussetzung für weitere Übertragungen wäre und durch die regelmäßige Händedesinfektion nicht kontrollierbar ist. Dies geschieht bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren. Nicht der einfache Träger, sondern der „Überträger“ („Spreader“) ist epidemiologisch von Interesse. Da Patienten im Krankenhaus nicht selten mehrere Risikofaktoren besitzen, erfolgt die Übertragung von MRSA zwischen Patienten im Akutkrankenhaus am einfachsten.

Noch einmal mit aller Deutlichkeit: Vorsicht! Lassen Sie sich nicht zu dem Gedanken verleiten, dass sich MRSA bei jedem nur erdenklichen Kontakt übertragen lässt. Alle Überlegungen hierzu sind meist theoretischer Natur und übersehen, dass die Übertragung von MRSA nicht mathematischen, sondern biologischen Gesetzmäßigkeiten folgt und folgende Grundvoraussetzungen notwendig sind:

1.    Ausreichende Keimzahl auf der Haut des MRSA-Trägers.

2.    Direkter und wiederholter Kontakt (Exposition) zu kolonisierten Körperoberflächen des MRSA-
       Trägers.

3.    Übertragung ausreichend vieler Bakterien vom einen zum anderen Patienten.

4.    Erreichen der (Schleim-)Haut der Kontaktperson.

5.    Übergang (Konversion) von vorübergehender (transienter) zu dauerhafter (permanenter) Flora
       durch Vermehrung von MRSA und Durchsetzung gegen die eigene Bakterienflora auf der Haut
       der Kontaktperson.

6.    Vorliegen von Risikofaktoren bei der Kontaktperson (Antibiotikatherapie, Wunden, Katheter etc.).

Sie sehen, die Übertragung von MRSA ist bei einmaligem Kontakt kaum möglich. Die Wahrscheinlichkeit steigt bei häufigem und intensiven Kontakt oder wenn aufgrund medizinischer Maßnahmen (endotracheales Absaugen bei Besiedlung der Lunge) hohe Mengen an MRSA freigesetzt werden. Aus diesem Grund sind besondere Schutzmaßnahmen im Krankenhaus notwendig.

MRSA kann zwar in der Umgebung überleben und von dort auf die (Schleim-)Haut eines Menschen gelangen. Hierzu ist jedoch auch wieder ein häufiger, mehrmals täglich stattfindender Kontakt notwendig. Diese Situation findet sich nur in Gemeinschaftseinrichtungen. Dort sind aus diesem Grund besondere Flächendesinfektionsmaßnahmen notwendig.

13. Was bedeutet „MRSA-Kontaktpatient“?

MRSA-Kontaktpatient zu sein bedeutet, dass man mit einem MRSA-Träger das Zimmer teilt oder geteilt hat. Somit besteht die Möglichkeit, dass man auch mit diesem Erreger besiedelt ist. Um dies auszuschließen oder auch zu bestätigen, müssen auch bei Kontaktpatienten einmalig Abstriche zur Untersuchung auf MRSA entnommen werden. Sollten Sie betroffen sein, dann geben Sie bitte bei zukünftiger Wiederaufnahme in ein Krankenhaus  an, dass Sie bereits einmal Kontakt zu einem MRSA-Patienten hatten, damit Ihr Besiedlungsstatus zu Ihrem eigenen Schutz und zum Schutz Ihrer Mitpatienten überprüft werden kann.

14. Wie wird MRSA übertragen und wie kann das vermieden werden?

Die Übertragung von MRSA erfolgt wie oben erklärt vor allem im Akutkrankenhaus. Die Übertragung erfolgt dabei fast immer durch Kontakt und äußerst selten über Tröpfchen und nicht über die Luft. Wichtigste Maßnahme, um eine Übertragung zu vermeiden, ist zu wissen, ob jemand MRSA-Täger ist. Hierfür müssen jedoch Abstrichuntersuchungen durchgeführt werden. Zusätzlich werden dann (vor allem im Krankenhaus) besondere Vorsorgemaßnahmen (Schutzkittel, Mundschutz, Handschuhe, ggf. Haarschutz, Einzelzimmer) angewandt, um eine Verbreitung auf andere Patienten zu vermeiden.  Abhängig von der Tätigkeit sind die Anwendung von überlegter Standardhygiene (Vermeidung von Kontakt zu Wunden, Reihenfolge von Behandlungen oder Tätigkeiten, Händehygiene u.a.) und situationsangepasste Hygienemaßnahmen ausserhalb des Krankenhauses ausreichend.

15. Kann man MRSA behandeln?

Ja. Obwohl MRSA resistent ist gegen die meisten Antibiotika, gibt es so genannte Reserveantibiotika, die zur Therapie von MRSA einsetzbar sind. Diese Antibiotika werden in der Regel nur im Krankenhaus verabreicht. Abhängig vom Status des Immunsystems des Patienten ist eine erfolgreiche Therapie durchführbar. In jedem Fall muss MRSA zusätzlich von der Haut und Schleimhaut der Patienten entfernt werden (so genannte Sanierung), damit die Grundlage für künftige Infektionen mit diesem Erreger eliminiert wird.

16. Was bedeutet Sanierung?

Die sogenannte Sanierung dient der Eliminierung von MRSA von der Haut und den Schleimhäuten des Trägers. Bei gesunden Menschen ohne Risikofaktoren lässt sich MRSA aus seinem Hauptreservoir, dem Nasenvorhof leicht entfernen. Hierzu werden antibiotisch oder antiseptisch wirksame Nasensalben angewandt. Innerhalb weniger Tage ist der MRSA entfernt, der Erfolg der Sanierung muss mittels Abstrichtupfer bestätigt werden. Die Erfolgsrate dieser einfachen Sanierung ist hoch und dauerhaft. Liegen sanierungshemmende Faktoren vor (Wunden, Katheter etc.), muss zunächst die Heilung bzw. Beendigung des Faktors abgewartet werden, bevor die endgültige MRSA-Sanierung angegangen werden kann. Dennoch kann in dieser Phase eine Sanierung zur Keimreduktion sinnvoll sein, etwa dann, wenn durch die Sanierung einer MRSA-Besiedlung (z.B. in der Nase) eine MRSA-Infektion (z.B. einer bisher nicht verkeimten Wunde) vermieden werden kann.

17. Liegen Risikofaktoren für die Trägerschaft von MRSA vor? Wie lange kann sich MRSA auf der (Schleim-)Haut des Menschen halten?

Die Dauer der Besiedlung hängt davon ab, ob sanierungshemmende Faktoren (Wunden, Katheter, Antibiotikagabe etc.) vorliegen. Eine Sanierung ist dann selten erfolgreich und der Patient kann bis zu 40 Monate und länger MRSA tragen. Ohne sanierungshemmende Faktoren gelingt eine Sanierung in den meisten Fällen innerhalb von 2 Wochen. Ohne sanierungshemmende Faktoren und ohne Sanierung kann die Trägerdauer bis zu 1 Jahr und länger dauern.

18. Wie lange muss ein MRSA-Träger im Krankenhaus in einem Einzelzimmer mit zusätzlichen Hygienemaßnahmen gepflegt werden?

Alle Anstrengungen richten sich auf die Therapie der Grunderkrankung (z.B. Wunde, Dekubitus) und der anschließenden Schlusssanierung des MRSA-Trägers, um den MRSA von der Haut und der Schleimhaut des Patienten wegzubekommen. Der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Arzt für Mikrobiologie und dem Arzt für Hygiene wie lange eine Sanierung durchgeführt werden muss. Die besonderen Hygienemaßnahmen müssen nur im Krankenhaus solange durchgeführt werden, bis der MRSA nicht mehr auf der (Schleim-)Haut nachgewiesen wird. Abhängig von der Grunderkrankung (z.B. Wunde, Dekubitus) kann die Sanierung Tage, Wochen oder auch länger dauern. Sie muss in jedem Fall auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus weitergeführt und kontrolliert werden, auch wenn zunächst die Heilung der Grunderkrankung im Vordergrund steht.

19. Müssen bei Entlassung eines MRSA-Patienten besondere Schutzmaßnahmen beachtet werden?

1. Krankentransport
Während des Krankentransportes ist eine Übertragung auf das Personal nur möglich, wenn es zu intensivem Kontakt oder direkter Exposition des Personals bei Verbandwechsel oder Intubation kommt. Aus diesem Grund ist nur bei diesen zuletzt genannten Situationen ein Mundschutz durch das Personal zu tragen. (Ausnahme: Aufenthalt im MRSA-Patientenzimmer). Ansonsten ist nur bei direktem Kontakt das Tragen von Handschuhen und eines Schutzkittels erforderlich. Nach Ausziehen der Schutzkleidung ist eine sofortige Händedesinfektion erforderlich. Das Tragen von weißen flüssigkeitsdichten Schutzoveralls mit Kapuze und Atemhalbmaske/Mundschutz ist beim Transport von MRSA-Patienten zu unterlassen. Der übertriebene Schutz führt zur Verunsicherung von Angehörigen oder Mitbewohnern und zu unnötigen Kosten. Die finanziellen Ressourcen sollten gezielt zum konsequenten Einhalten von Standardhygiene und Händedesinfektion sowie für die Fortbildung genutzt werden.

2. Alten-/Pflegeheime
Zum Umgang mit MRSA-Trägern im Alten-/Pflegeheim liegen klare Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am RKI (KRINKO) vor. MRSA-Träger müssen nicht grundsätzlich isoliert gepflegt werden,  sondern situationsangepasste Hygienemaßnahmen reichen aus und erweiterte Maßnahmen sind nur in seltenen Fällen bei direktem Kontakt notwendig. Die konsequente Weiterführung einer MRSA-Sanierung steht im Vordergrund. Diese kann zunächst in der Heilung der Grunderkrankung (z.B. Wunde, Dekubitus) bestehen, bis die eigentliche MRSA-Sanierung (s.o.) erfolgt. Näheres finden Sie auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes (RKI).

3. Arztpraxis
Auch in der Arztpraxis sind in keinem Fall Maßnahmen wie im Krankenhaus notwendig. Hier ist eine gute Praxislogistik (MRSA-Patienten nicht im überfüllten Wartezimmer warten lassen) und konsequente Standardhygiene (u.a. Händedesinfektion) erforderlich. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf der konsequenten Weiterführung einer MRSA-Sanierung. Diese kann zunächst in der Heilung der Grunderkrankung (z.B. Wunde, Dekubitus) bestehen, bis die eigentliche MRSA-Sanierung (s.o.) erfolgt. In jedem Fall muss eine Erfolgskontrolle der endgültigen MRSA-Sanierung erfolgen.

4. Zu Hause
Träger von klassischen MRSA, die im Krankenhaus erworben werden, stellen für ihre Angehörigen keine Gefahr dar. Kontaktpersonen, die offene Wunden haben oder stark immunsupprimiert sind, sollten die persönliche Hygiene – nicht nur wegen des MRSA – peinlich einhalten. Schwangere sind nicht besonders gefährdet und sollten neben guter persönlicher Körperhygiene nach Kontakt mit einem MRSA-Patienten die Hände waschen. Näheres finden Sie auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes (RKI).

5. Ambulante und häusliche Pflege
Allgemein sind die Maßnahmen analog zur Heimrichtlinie (s.o.) anzuwenden. Beim direkten Umgang mit infizierten Wunden, Sekreten, Stuhl etc. sollten Schutzmaßnahmen wie Handschuhe angewendet und eine anschießende Händedesinfektion durchgeführt werden. Bitte Fragen Sie hierfür im Einzelfall den behandelnden Arzt, einen Hygieniker/Mikrobiologen oder das MRSA-net Helpdesk. Näheres finden Sie auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes (RKI).

 

20. Ist es gefährlich in demselben Raum mit einem MRSA-Patienten zu sein?

In aller Deutlichkeit: Für gesunde Menschen ist das Risiko einer MRSA-Infektion (ausgelöst durch klassische im Krankenhaus erworbene MRSA – haMRSA) verschwindend gering. Natürlich bleibt wie bei allen Infektionen ein medizinisches Restrisiko. So lange Angehörige und Besucher gesund sind, schadet es niemandem, mit einem MRSA-Patienten in einem Raum zu sein. Normaler Kontakt, wie Händeschütteln oder Umarmen sind möglich. Nach Kontakt sollten die Hände vorbeugend gewaschen, ggf. desinfiziert werden.

21. Warum müssen MRSA-Patienten nur im Krankenhaus im Einzelzimmer isoliert werden, nach ihrer Entlassung jedoch weder zu Hause, noch im Altenheim oder in der Arztpraxis?

Diese Empfehlung erscheint zunächst widersprüchlich. Während hingegen im Krankenhaus besondere Schutzmaßnahmen bei MRSA notwendig sind, muss außerhalb der Krankenhäuser deutlich weniger an Schutzmaßnahmen durchgeführt werden. Die Schutzmaßnahmen im Krankenhaus ähneln zudem denen bei Patienten mit Tuberkulose, sodass sie auf Angehörige und Mitpatienten bedrohlich wirken können. Die Schutzmaßnahmen im Krankenhaus sind jedoch aus folgenden Gründen notwendig und dürfen nicht mit Maßnahmen bei Tuberkulose verwechselt werden:

1. Kohortensituation
Kontinuierliche Anwesenheit von vielen Patienten, die z.T. stark immunsupprimiert oder operiert und beatmet usw. sind; MRSA kann sich ohne Maßnahmen über Wochen bis Monate in Krankenhäusern ausbreiten.

Gegenmaßnahmen: besondere Hygienemaßnahmen (Handschuhe, Mundschutz, Schutzkittel, u.a.), Isolation im Einzelzimmer

2. Häufiger Kontakt
Pflege, häufig intensive Pflege mit hunderten von Handkontakten durch das Personal von Patient zu Patient.

Gegenmaßnahmen: Händehygiene, Handschuhe

3. Selektion durch Antibiotika
Bis zu 50% der Patienten erhalten Antibiotika. Dieser antibiotische Selektionsdruck hilft dabei, dass MRSA-Träger den Erreger leichter streuen können und sich MRSA auf der (Schleim-)Haut von Kontaktpersonen leichter etablieren und von dort wieder übertragen werden kann. Personal ist aus diesem Grund relativ geschützt. Der häufige und kontinuierliche Kontakt zu MRSA-Patienten kann dennoch dazu führen, dass auch Personal zum (Dauer-)Träger wird.

Gegenmaßnahmen: Kontrollierte Antibiotikagabe, Antibiotikamanagement („antibiotic stewardship“)


Fehlt bereits einer der drei genannten Faktoren, kann MRSA nur noch in seltenen Fällen übertragen werden. Einfache Hygiene reicht aus, damit MRSA nicht mehr effizient von Mensch zu Mensch übertragen wird.

22. Kann mein Kind MRSA bekommen, wenn es sich in der Nähe eines MRSA-Trägers befindet?

Gesunde Personen, also auch gesunde Kinder haben ein verschwindend geringes Risiko, eine MRSA-Infektion zu bekommen. Lediglich bei so genannten „community acquired“-MRSA (CA-MRSA)  sind besonders Kinder und Jugendliche gefährdet. Diese MRSA-Typen sind jedoch nicht mit den herkömmlichen, im Krankenhaus erworbenen MRSA zu verwechseln. Sie finden sich nicht bei alten Menschen und Kranken, sondern bei jungen Menschen, die vorher nicht im Krankenhaus gewesen sind.

23. Ich habe MRSA und werde bald entlassen. Was muss ich tun, um meine Familie vor MRSA zu schützen?

Wenn keine Sanierung begonnen wurde, sollte eine solche über den Hausarzt durchgeführt werden. Wenn Sie mit MRSA kolonisiert oder infiziert sind, sollten Sie – neben der eventuellen Therapie – folgende Maßnahmen beachten, um eine Ausbreitung von MRSA in Ihrer Familie zu verhindern:

24. Warum werden in deutschen Krankenhäusern mehr als die Hälfte der MRSA bei Aufnahme der Patienten nachgewiesen?

Veröffentlichungen zeigen, dass in Deutschland mehr als 50% der Patienten mit nachgewiesenem MRSA bereits bei Aufnahme in ein Krankenhaus MRSA-positiv sind. Untersuchungen des genetischen Fingerabdrucks von MRSA bei Entlassung, in Altenheimen, in der Arztpraxis und bei Wiederaufnahme zeigen, dass es sich um dieselben MRSA-Stämme handelt, die in diesem Kreislauf der stationären und ambulanten Versorgung zirkulieren. Die mittlere Trägerrate ist – abhängig von den vorliegenden Risikofaktoren - zwischen 6 Monaten und 4 Jahren. Das erklärt auch, warum ein Eingangsscreening von so herausragender Bedeutung für die Vermeidung der Verbreitung von MRSA ist. Wird ein MRSA-Träger bei Wiederaufnahme nicht frühzeitig identifiziert und werden keine besonderen Hygienemaßnahmen getroffen, dann wird bei jedem Krankenhausaufenthalt der MRSA auf weitere Menschen übertragen. Der MRSA-Kreislauf dreht sich weiter und wird zu einer steigenden Spirale.

25. Welche sind die Hauptstrategien gegen die Ausbreitung von MRSA in der EUREGIO Twente/Münsterland?

Grundsätzlich sind folgende Maßnahmen notwendig, um die MRSA-Spirale zu bremsen:

1. Kontrollierte und rationale Antibiotikatherapie bei der stationären und ambulanten medizinischen Versorgung, d.h. so viel wie nötig und so wenig wie möglich.

2. Prävention:

3. Surveillance:

4. Therapie und Sanierung der infizierten bzw. kolonisierten Personen während und insbesondere auch nach dem stationären Aufenthalt, d.h. einen langen Atem haben und MRSA-Patienten weiterbetreuen. Das kann auch zunächst die Behandlung der Grunderkrankung bedeuten und danach erst die gezielte Sanierung von MRSA.

5. Aufklärung der Bevölkerung sowie Fortbildung von Personal im Gesundheitswesen, d.h. jeder muss wissen, was MRSA bedeutet und dass es sich nicht um eine Infektionskrankheit wie die Vogelgrippe oder SARS handelt. Außerdem muss jedem klar werden, dass man das MRSA-Problem nur kollektiv als Gemeinschaft lösen kann und alle mithelfen müssen.

6. Netzwerkbildung aller Akteure im Gesundheitswesen entlang des MRSA-Kreislaufs, d.h. die Trennung stationärer und ambulanter medizinischer Versorgung hat für die Menschen viele Vorteile, aber Gefahren und Probleme wie MRSA müssen durch vernetztes Vorgehen angegangen werden. Im Fall von MRSA muss diese Zusammenarbeit entlang des MRSA-Kreislaufs geschehen und alle Akteure, die tagtäglich mit MRSA zu tun haben (Krankenhäuser, Arztpraxen, Laboratorien, Alten-/Pflegeheime, Gesundheitsämter, Krankenkassen u.v.a.) einschließen.

26. Was ist mit MRSA-Kreislauf gemeint?

Eine MRSA-Sanierung dauert länger als der durchschnittliche stationäre Aufenthalt eines Patienten. Patienten verlassen daher häufig das Krankenhaus mit MRSA auf ihrer (Schleim-)Haut. Das ist für Mitmenschen kein Problem, solange diese keine offenen Wunden haben oder ein stark geschwächtes Immunsystem. Besondere Hygienemaßnahmen bei dieser Art von MRSA sind außerhalb von Krankenhäusern daher nicht erforderlich. Dennoch gibt es ein Problem: Da beim nächsten Krankenhausaufenthalt wieder die Gefahr der Übertragung auf andere Patienten besteht, muss alles getan werden, damit die betroffenen Patienten nicht mehr mit MRSA besiedelt sind (Sanierung, professionelles Wundmanagement). Der MRSA-Patient muss ausgehend vom Akutkrankenhaus, über die Reha-Klinik, den niedergelassenen Arzt, im Alten-/Pflegeheim bis hin zum nächsten Krankenhausaufenthalt unter Einbeziehung der lokalen MRSA-Experten (Fachärzte für Mikrobiologie, Fachärzte für Hygiene) und der Gesundheitsämter weiter betreut werden. Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen entlang des MRSA-Kreislaufs jetzt gemeinsam mithelfen (Gemeinschaftsaufgabe).

27. Warum muss man bei der Sanierung von MRSA-Patienten einen langen Atem haben?

Alle Akteure entlang des MRSA-Kreislaufs müssen mithelfen, MRSA bei den Betroffenen zu behandeln (so genannte Sanierung, professionelles Wundmanagement). Dies muss auch erfolgen, wenn der Patient keine Infektion hat und der MRSA lediglich auf der (Schleim-)Haut des Patienten „wohnt“ (Kolonisation), wobei er keine Erkrankung verursacht. Während im Krankenhaus besondere Hygienemaßnahmen (wie Einzelzimmer und Mundschutz) im Vordergrund stehen, ist außerhalb des Krankenhauses vor allem die konsequente Weiterbehandlung des MRSA von Bedeutung.

Ein MRSA-Patient muss beginnend im Akutkrankenhaus, über die Reha-Klinik, die Arztpraxis, das Alten-/Pflegeheim bis hin zum nächsten Krankenhausaufenthalt, ggf. unter Einbeziehung von MRSA-Spezialisten (Fachärzte für Mikrobiologie, Fachärzte für Hygiene) und der Gesundheitsämter kontinuierlich weiter betreut werden, bis der MRSA auf der (Schleim-)Haut nicht mehr nachzuweisen ist. Nur durch diese vorbeugende Behandlung kann eine zukünftige Infektion und die Übertragung auf andere verhindert werden. Zur Erfolgskontrolle müssen in jedem Fall Abstriche durchgeführt werden. Die MRSA-Sanierung dauert in der Regel ca. 2 Wochen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren mit positivem MRSA-Nachweis (z.B. chronische Wunden, Katheter, Antibiotikagabe etc.) muss zunächst der Risikofaktor kuriert werden, so dass in seltenen Fällen die MRSA-Sanierung erst nach Monaten bis Jahren erfolgreich sein kann. Hier müssen Behandler und Patienten einen langen Atem haben. Bei Vorliegen von Risikofaktoren ohne positiven MRSA-Nachweis (z.B. offene Wunde ohne MRSA-Nachweis) und Nachweis einer MRSA-Besiedlung an anderer Stelle (z.B. Nase) sollte aber von Anfang an eine Sanierung angestrebt werden, um einer Infektion (z.B. der offenen Wunde) durch MRSA vorzubeugen.

28. Was bedeutet „community acquired“-MRSA (CA-MRSA)?

Die Dimension des MRSA-Problems hat sich seit einigen Jahren verschärft durch das Auftreten von MRSA-Infektionen, die außerhalb des Krankenhauses von gesunden Menschen erworben werden (CA-MRSA). Letztgenannte stellen eine neue Kategorie von MRSA dar und dies darf nicht mit dem MRSA-Problem in den Krankenhäusern verwechselt werden. CA-MRSA ist in der Lage auch bei gesunden Menschen außerhalb des Krankenhauses schwere Infektionen zu verursachen, die in einigen Fällen tödlich enden können (z.B. fatale abszedierende Bronchopneumonien). Früher oder später werden mit CA-MRSA besiedelte oder infizierte Menschen in Krankenhäuser aufgenommen und verschärfen dann dort die bereits schon bestehende MRSA-Situation. Eingangsscreenings und mikrobiologische Diagnostik sind der effektivste Schutz gegen diese Gefahr.

29. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden? Gilt dies auch für Patienten mit unterschiedlichen MRSA-Genotypen?

Ja. MRSA-Träger können gemeinsam in einem Patientendoppelzimmer untergebracht werden. Dies gilt auch für den Fall, dass unterschiedliche MRSA Genotypen bei den Patienten vorliegen. Die Besiedlung mit zwei unterschiedlichen MRSA-Klonen gilt als sehr seltenes Ereignis und ist zu vernachlässigen. Eine Ausnahme liegt dann vor, wenn es sich bei einem der MRSA um einen hochvirulenten „community acquired“-MRSA (CA-MRSA) handelt. Diese Stämme besitzen häufig das gefährliche Zellgift (Zytotoxin) PVL (Panton-Valentine Leukozidin), eine Fusidinsäureresistenz und gehören bestimmten spa-Typen an (z.B. t044, t008, t002 u.a.).

30. Können MRSA-Träger im Krankenhaus gemeinsam in einem Zimmer untergebracht werden, wenn einer von Ihnen bereits (an)saniert wird?

Grundsätzlich ja. Natürlich besteht die Gefahr, dass dann Patienten, die sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Sanierung bestehen wieder besiedelt werden durch den Patienten, der erst am Beginn der Sanierung steht. Phase B, C, D (siehe Frage 31) sind so anzupassen, dass die Patientensanierung synchronisiert wird. Die Erfolgsrate der Sanierung ist jedoch niedriger als bei Sanierung im Einzelzimmer.

31. Wie sieht die Sanierung eines MRSA-Trägers aus?

Die endgültige Entfernung von MRSA von der Haut und der Schleimhaut eines Menschen nennt man Sanierung. Liegen Faktoren vor, die das Vorhandensein von MRSA erleichtern (sanierungshemmende Faktoren: Antibiotikagabe, Wunden, MRSA-Infektion, Katheter etc.), kann eine Sanierung nur in seltenen Fällen erfolgreich sein. Hier steht zunächst die Heilung bzw. Beseitigung dieser Faktoren im Vordergrund. Während dieser Zeit angewandte Nasensalben oder Waschungen der Haut können die MRSA-Anzahl im Einzelfall jedoch reduzieren, um einer Infektion vorzubeugen. Doch Vorsicht: Hierdurch kann die (Schleim-)Haut des Patienten strapaziert werden. Daher ist eine genaue Abwägung notwendig. Liegt kein Risikofaktor vor (z.B. bei Personal, Kindern) oder ist der Risikofaktor beseitigt (Wunde "zugranuliert", also weitgehend verheilt) kann mit der endgültigen Sanierung begonnen werden.

Hier muss man sechs Phasen der Sanierung unterscheiden:


32. Welche Bedeutung hat das Eingangsscreening von MRSA-Risikopatienten für das Personal im Krankenhaus?

Personal ist nur deshalb mit MRSA besiedelt, weil es Kontakt zu MRSA-Patienten hat ohne sich zu schützen. Das liegt in den allerseltensten Fällen daran, dass Pflegende und Ärzte die Hygienemaßnahmen nicht einhalten. Das liegt vielmehr vor allem daran, dass Krankenhäuser MRSA-Risikopatienten bei Aufnahme nicht auf MRSA hin untersuchen und damit MRSA nicht für ihr Personal sichtbar machen.

Nochmal: Im Krankenhaus kann man sich nur vor einer MRSA-Besiedlung schützen, wenn man besondere Maßnahmen einhält. Diese werden nur dann über die gesamte Dauer des Aufenthaltes und bei allen invasiven Maßnahmen durchführbar, wenn bekannt ist, dass ein Patient MRSA-Träger ist. Dies ist umso wichtiger, wenn in der Region, in der das Krankenhaus liegt hochvirulente „community acquired“-MRSA (CA-MRSA) zirkulieren. In jedem Fall gelten zum Schutz des Personals vor MRSA die Angaben der TRBA 250.

33. Wann muss Personal auf MRSA hin untersucht werden?

Gesundes Personal muss nur dann auf MRSA untersucht werden, wenn der Verdacht besteht, dass es MRSA-Überträger ist. Dies kann im Krankenhaus, seltener im Alten-/Pflegeheim unter bestimmten Umständen notwendig sein. In der Arztpraxis, im Krankentransportdienst und zu Hause ist ein vorbeugendes Screening von Personal weder sinnvoll noch hygienisch notwendig. Nochmal in aller Deutlichkeit: Nicht der kurzzeitige MRSA-Träger, sondern der echte MRSA-Überträger ist von Bedeutung und sollte vom MRSA saniert werden. Ein routinemäßiges Screening von Personal oder Screening direkt nach MRSA-Kontakt macht daher keinen Sinn. Hier besteht die Gefahr, dass zufällige Kurzzeitträger identifiziert werden, die nach wenigen Tagen bereits keine Träger mehr sind und damit MRSA auch nicht streuen können. Aus diesem Grund sollten MRSA-Erstisolate von Patienten im Krankenhaus spa-typisiert werden. Kommen zwei oder mehr MRSA mit identischem spa-Typ auf einer Station vor, ohne dass ein anderer plausibler Grund für die Übertragung (z.B. gleiche(s) Zimmer/Nasszelle) vorliegt, dann liegt es nahe, dass ein MRSA-Überträger auf der Station arbeitet. In diesem Fall ist ein Screening des als Überträger in Frage kommenden Personals sinnvoll. Mit dieser Vorgehensweise kann viel Geld gespart und Ärger von Personal fern gehalten werden.

34. Warum kommt es zur Wiederbesiedlung von sanierten Patienten?

Die Wiederbesiedlung mit MRSA kann unterschiedliche Ursachen haben (z.B. vergebliche (frustrane) Sanierung, inadäquates Sanierungskonzept bei Vorliegen von sanierungshemmenden Faktoren, Wiederbesiedlung durch mit MRSA-kolonisierte Haushaltskontakte, Neubesiedlung durch neuen MRSA, zusätzliches übersehenes MRSA-Reservoir). Um die Ursache verstehen zu können, kann eine Typisierung der beiden Isolate (vor und nach Sanierung) sinnvoll sein. Nach Recherche der möglichen Ursachen der Wiederbesiedlung kann nach Rücksprache mit einem MRSA-Experten ein zweiter Sanierungszyklus durchgeführt werden. Bei einem zweiten Sanierungszyklus kann in Einzelfällen zusätzlich auch eine gegen MRSA wirksame systemische Antibiotikatherapie notwendig werden, die in jedem Fall mit einem Facharzt für Mikrobiologie abgestimmt werden muss.

35. Warum sind MRSA in den Niederlanden so viel seltener als in Deutschland?

Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt und es wird im Rahmen des EUREGIO-Projektes versucht, diese Frage zu beantworten.
In den Niederlanden wurde bereits zu Beginn der 80er Jahre mit der Bekämpfung von MRSA begonnen. Seitdem werden Richtlinien umgesetzt, die eine Suche („search“) nach MRSA-besiedelten Patienten, eine konsequente Kontaktisolation von MRSA-Patienten im Krankenhaus und eine nachhaltige Dekolonisation („destroy“) MRSA-positiver Patienten beinhalten. Diese Strategie wird deshalb auch „search and destroy policy“ genannt. In Deutschland wurden die Verbreitungsdynamik von MRSA und deren Bedeutung als Verursacher von Krankenhaus-assoziierten Infektionen erst später erkannt, so dass sich MRSA vor der Einführung von MRSA-Bekämpfungsmaßnahmen schon weit ausbreiten konnte. Zusätzlich geben niederländische Forschergruppen an, dass der Verbrauch von Antibiotika in den Niederlanden sehr niedrig sei, was einen positiven Effekt auf den Entstehungsdruck von multiresistenten Erregern hat. Begünstigt wird die Senkung der MRSA-Rate in den Niederlanden daher durch größere allgemeine Akzeptanz der als notwendig erachteten Präventionsmaßnahmen, der konsequenten Auditierung von Einrichtungen wie Krankenhäusern, dem sehr informierten Antibiotikaeinsatz, einer engen Vernetzung von ambulanten und stationären Versorgungseinrichtungen und durch eine konsequente Behandlung von MRSA-Trägern im ambulanten Bereich.
Schließlich muss die unterschiedliche Struktur der beiden Gesundheitswesen berücksichtigt werden. Auf der einen Seite ist in den Niederlanden die Anzahl von Patientenbetten pro 1000 Einwohner um ca. 40-50% niedriger als in Deutschland, auf der anderen Seite sind Fachärzte nur in Krankenhäusern und Polikliniken verfügbar und nicht in eigener Praxis wie in Deutschland.

36. Was unterscheidet die niederländische „search and destroy“ Strategie von den deutschen MRSA- Richtlinien?

Der generelle Umgang mit MRSA-Patienten und die angewandten besonderen Hygienemaßnahmen (Isolation, Kittelpflege, Mundschutz, Handschuhe, Händedesinfektion) unterscheiden sich nicht wesentlich. Der Unterschied liegt in der gezielten Suche nach MRSA-Trägern unter den Patienten. In den niederländischen MRSA-Richtlinien werden gewichtete (hoch, mittel, niedrig) Risikogruppen definiert, die eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine MRSA-Besiedlung haben. Dies sind in den Niederlanden vor allem Patienten, die innerhalb einer bestimmten Frist in ausländischen Krankenhäusern (in Ländern mit hohem MRSA-Vorkommen, wie z.B. Deutschland, Belgien, Japan, UK) stationär behandelt wurden. Diese Patienten werden bis zum Ausschluss einer MRSA-Besiedlung vorbeugend in einem Einzelzimmer kontaktisoliert. Insgesamt geht man davon aus, dass etwa 10-40% der MRSA in niederländischen Krankenhäusern aus ausländischen Krankenhäusern importiert werden. In der deutschen MRSA-Richtlinie werden ebenfalls Risikofaktoren definiert, die MRSA wahrscheinlicher machen und es wird ein Abstrich-Screening von Patienten mit diesen Risikofaktoren gefordert. Da MRSA mittlerweile in Deutschland endemisch ist, müssten Patienten, die in einem deutschen Krankenhaus versorgt wurden, ebenfalls gescreent werden. Um die genauen Risikogruppierungen für deutsche Krankenhäuser in der EUREGIO zu bestimmen, wurden im Rahmen des Projektes MRSA-net Prävalenzscreenings durchgeführt. Die Ergebnisse führten zur Entwicklung einer EUREGIONALEN Screeningempfehlung für alle teilnehmenden Krankenhäuser. Sie soll den Krankenhäusern ermöglichen, die Mehrzahl der MRSA-besiedelten Patienten bei/vor Aufnahme zu identifizieren.