mre-netz regio rhein-ahr
Universität Bonn Universitätsklinikum Bonn

Antibiotikaanwendung in der ambulanten und in der Krankenhaus-Versorgung

Anwendung von Antibiotika in der ambulanten medizinischen Versorgung

In Arztpraxen werden häufig Antibiotika verschrieben. Die Antibiotikaeinnahme ist eine wichtige Therapiesäule und hilft bei richtiger Anwendung mit der Heilung und der Vermeidung von Krankenhausaufenthalten. Bei leichten Infektionen oder Virusinfektionen kann aber der Einsatz von Symptome-lindernden Maßnahmen sinnvoller und nebenwirkungsärmer sein. Hierzu beraten Praxis- und Apothekenpersonal. Vorschläge finden Sie auch in Patientenflyern zu Atemwegs-, Harnwegs- und Ohrinfektionen. So können leichte und schwere Nebenwirkungen, Kosten und das Verwerfen nicht benötigter Antibiotika vermieden werden.

Anwendung von Antibiotika im Krankenhaus

Antibiotika tragen wesentlich zum Erfolg moderner Krankenhausbehandlungen bei. Etwa jeder 4. Krankenhauspatient erhält Antibiotika. Einige Antibiotikasorten sind besonders wichtig, da sie ohne Kenntnis der Infektionserreger zuverlässig und schnell in der Anfangsphase vieler schwerer Infektionen wirken. Es handelt sich um lebensrettende und auch vorbeugend bei Operationen, Krebsbehandlung und in anderen Risikobereichen eingesetzte Mittel.

Verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika ist ein gesetzlich geforderter Teil des Hygiene- und Qualitätsmanagements jeden Krankenhauses. Die Art und Menge der eingesetzten Antibiotika und antibiotikaresistenter Infektionserreger sind aufzuzeichnen, auszuwerten und auf der Auswertung basierte Anpassungen der Verordnungspraxis zu treffen. Dafür benötigtes Personal und Organisationsstrukturen werden in gesetzesähnlichen Empfehlungen seit 2013 festgelegt (siehe §23 Infektionsschutzgesetz (IfSG) und AWMF S3 Leitlinie Rationale Antibiotikatherapie).

Es wird angenommen, dass ca. 30% der Verordnungen von Antibiotika aus verschiedenen Gründen inadäquat sind. Das heißt, es wird zu viel, zu wenig oder nicht wirksames Antibiotikum eingenommen. Durch den Einsatz von strukturierten ABS-Strategien können in Krankenhäusern 10-40% der Verordnungen eingespart werden, Therapiedauer verkürzt und Kosten reduziert werden (Cochrane-Review zur Effektivität von ABS-Interventionen 2013 und 2015, über 300 Seiten!).