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Universität Bonn Universitätsklinikum Bonn

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Eine der großen Herausforderungen bei der Bekämpfung multiresistenter Erreger (MRE) stellen die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens dar, etwa zwischen Gesundheitsämtern, Reha-Kliniken, Krankenhäusern, niedergelassene ÄrztInnen, ambulanten Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen, Therapeuten und anderen. Durch das Netzwerk sollen Strategien zum Abbau von Barrieren und zur Verbesserung der Kommunikation entwickelt werden. Auf den folgenden Seiten finden Sie nähere Informationen zur Bedeutung von MRE in den einzelnen Sektoren und welche Präventionsmaßnahmen eingesetzt werden.

Zusätzlich zu den aufgeführten Sektoren gibt es andere Bereiche, in denen Fragen zu MRSA bzw. MRE im allgemeinen aufgeworfen werden. Der Umgang mit MRE in Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Physiotherapiezentren und Sportstudios, aber auch in Gefängnissen und anderen Gemeinschaftsunterkünften stellt die Betroffenen und das Umfeld oft vor schwer zu beantwortende Fragen. Häufig liegen keine wissenschaftlichen Daten für den "richtigen" Umgang mit MRE in diesen Bereichen vor. Hier ist die Einzelfallbetrachtung, die analoge Anwendung bestehender Richtlinien sowie eine Risikobewertung und Diskussion am Runden Tisch von großer Bedeutung.

Krankenhäuser

In Krankenhäusern stellen MRE ein besonderes Problem dar: Viele Patienten weisen Wunden nach Verletzung oder Operation auf oder sind mit Kathetern, Sonden, Tuben etc. versorgt, die für MRE eine Eintrittspforte darstellen. Erreger können dort in den Körper gelangen und zu Infektionen führen. So können Patienten zeitweilig oder längerfristig zum Reservoir von MRE oder anderen Krankenhaus-assoziierten Erregern werden. Deswegen müssen in den Kliniken strenge Hygienemaßnahmen vorgenommen und Infektionen mit bestimmten Erregern gut dokumentiert werden.

Pflegeeinrichtungen

Durch die häufigen Verlegungen von Heimbewohnern in Krankenhäuser bzw. von dort zurück in ihre Pflegeeinrichtung sind MRE zunehmend bei Bewohnern nachweisbar. Mitarbeitende der Pflegeeinrichtungen müssen daher informiert und im Umgang mit MRSA und anderen MRE geschult sein. Dies kann seit 2014 durch Nutzung der mre-netz Unterlagen zum Zertifikat Hygienesiegel für Pflegeeinrichtungen unterstützt werden.

Im Gegensatz zu Kliniken ist die Übertragungswahrscheinlichkeit von MRE in Senioren- und Pflegeheimen bei Einhaltung guter Basishygienemaßnahmen im Allgemeinen eher gering. Viele der im Klinikbereich erforderlichen Maßnahmen, wie z. B. eine strikte Isolierung von Betroffenen, sind hier nicht grundsätzlich notwendig. Dennoch führt der Umgang mit MRE in Pflegeeinrichtungen immer wieder zu Unsicherheiten und manchmal übertriebenen Maßnahmen. Dies liegt nicht zuletzt an unklaren Handlungsanweisungen und mangelnder Aufklärung zu MRE außerhalb der Klinik. Umso wichtiger ist neben der Einhaltung hygienischer Richtlinien gerade an der Schnittstelle Pflegeeinrichtung-Krankenhaus eine optimierte Kommunikation und Abstimmung.

Ambulante Pflegedienste

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels steht ein wachsender Versorgungsbedarf von älteren, eingeschränkt mobilen und multimorbiden Patienten einer zunehmenden Verschlechterung des medizinischen Versorgungsangebotes im ländlichen Raum gegenüber. Folgen dieser Entwicklung zeichnen sich bereits im Bereich der ambulanten Pflegedienste ab, die ihren Einsatzradius kontinuierlich um weitere Einzugsgebiete vergrößern müssen, um den bestehenden Versorgungsbedarf der zunehmend älteren Bevölkerung abdecken zu können. Bei unzureichendem Hygienemanagement bestehen damit weitere Möglichkeiten zur Verbreitung multiresistenter Erreger. Fachkräfte der ambulanten Pflegedienste müssen daher gute Basishygienemaßnahmen einhalten, um MRSA und andere MRE nicht auf weitere Patienten zu übertragen. Wichtigste Einzelmaßnahme ist hierbei die angemessene Händedesinfektion. Unterlagen und Zertifizierungsmöglichkeit durch das Hygienesiegel für Pflegeeinrichtungen stehen seit 2014 auch den ambulanten Diensten zur Verfügung.

Reha-Kliniken

MRE-Besiedlungen stellen immer wieder ein großes Hindernis für die Rehabilitation von Patienten dar. Patienten in der Rehabilitation befinden sich häufig in einer Risikosituation, begründet in ihrer teilweise erhöhten Infektionsanfälligkeit durch vorbestehende Grunderkrankungen sowie durch die hohe Verlegungsfrequenz aus bzw. in Einrichtungen mit hoher MRE-Prävalenz (Hornberg et al., 2003). Zum anderen werden Patienten, bei denen eine MRE-Besiedlung festgestellt worden ist, häufig nicht in Rehakliniken aufgenommen, was sich auf den Krankheits- bzw. Rehabilitationsverlauf der Patienten negativ auswirken kann. Daher müssen Kompromisse zwischen der Verhinderung einer Weiterverbreitung von MRE einerseits und der Erreichung des Zieles der Rehabilitation andererseits gefunden werden. Dies ist ein erklärtes Ziel der Netzwerkarbeit. Siehe hierzu z.B. die Broschüre MRE für Reha-Kliniken der Phase D.

Krankentransporte

Die Dienstleister für Krankentransporte stehen an der direkten Schnittstelle zwischen Klinik, Pflegeeinrichtungen sowie dem ambulanten Bereich und werden insbesondere von MRE-Risikogrupppen in Anspruch genommen. Aus der Unsicherheit im Umgang mit MRE resultierten in den vergangenen Jahren teilweise übertriebene Schutzmaßnahmen, wie das Tragen von virusdichten Schutzoveralls oder Atemschutzmasken. Der soziale Schaden, der hieraus für Patienten entstehen kann, wiegt möglicherweise schwerer als der Mehrwert an Infektionsschutz. Im Rahmen des MRSA-net Projekts wurden Qualitätsziele für die Krankentransportdienste und deren Umgang mit MRSA-Patienten diskutiert und umgesetzt. Im Vordergrund stehen insbesondere Fortbildungen des Personals sowie Runde Tische durch die Gesundheitsämter und die Netzwerk-Koordinationsstelle.